Die Zistrose

Wer schon einmal im Mittelmeerraum oder auf den Kanarischen Inseln Urlaub gemacht hat, erinnert sich vielleicht an die aromatisch duftenden, glänzend klebrigen Sträucher mit zerknitterten rosafarbenen oder weißen Blüten, die dort oftmals ganze Landstriche einnehmen. Die größte Artenvielfalt der Zistrosen befindet sich im westlichen Mittelmeergebiet, wo sich der wärme- und lichtliebende Strauch bevorzugt auf unberührten, magnesiumreichen Böden und auf trockenen, steinigen Flächen niedergelassen hat. Die robuste, wiederstandsfähige Zistrose ist mit ihrem feuerfesten Wurzelwerk eine wahre Überlebenskünstlerin, die dafür sorgt, dass sich die Pflanzenwelt nach den immer wieder auftretenden Wald- und Buschbränden schnell wieder verjüngt. Sie ist dann eine wichtige Erstbesiedlerin zum Schutz der Bodenkrume vor Erosion. Der Glanz der Pflanze entsteht durch ein öliges, würzig-aromatisches Harz, welches  bereits im Alten Ägypten als „Labdanum“ sehr beliebt gewesen ist.

Es gibt 22 Arten und eine Vielzahl von Hybriden der Zistrose, medizinisch genutzt wird aber vor allem die graubehaarte (Cistus incanus) – sie wurde von einer Expertenjury sogar zur „Pflanze Europas 1999“ gekürt. Ausschlaggebend dafür war, dass diese Pflanze fest in der europäischen Medizin verwurzelt und zudem selten ist. Über Cistus incanus tauricus gibt es inzwischen die meisten wissenschaftlichen Studien und anerkannten Heilwirkungen – über sie wird im Folgenden berichtet, denn insgesamt unterscheiden sich die Zistrosenarten stark in ihrer Wirkung und besitzen trotz scheinbarer Ähnlichkeiten teilweise vollkommen unterschiedliche Inhaltsstoffe.

Verwendete Pflanzenteile und Ernte

Das Kraut der Zistrose wird im Frühjahr oder Sommer geerntet und im Schatten getrocknet. Um das Harz zu gewinnen, wurden früher Ziegen durch die Zistrosenbüsche getrieben und anschließend die Harzklümpchen aus dem Fell herausgekämmt. Später wurden eher dünne Lederriemen an einer Art Rechen dazu verwendet, das Harz aufzusammeln, was nur noch in wenigen traditionellen Betrieben verwendet wird. Meistens werden heute die Büsche maschinell abgeerntet und das Pflanzenmaterial extrahiert, wodurch eine schwarze, klebrige Masse entsteht.

 

Geschichte

Die Verwendung der Zistrose lässt sich bis in’s 4. Jh. v. Chr. zurück verfolgen – das aus ihr gewonnene und zum Räuchern und Parfümieren sehr geschätzte Harz, La(b)danum genannt (von "Ladan" = klebriges Kraut), wurde damals sogar nach Ägypten und in den Sudan gebracht. Es war eines der Lieblingsdüfte kretischer Frauen, die damit Kleider und Körper bedufteten und es in Räumen verräucherten. Der Duft  dringt tief in unser Unbewusstes ein und erweckt meist spezielle Erinnerungen und Stimmungen. Auch als Zahnpflegemittel, für desinfizierende Pflaster und durchblutungsfördernde Auflagen wurde das Harz eingesetzt. Seit jener Zeit findet sie auch als Tee Verwendung – meist wurde er zur Wundheilung und bei Körperwaschungen eingesetzt, auch als Infektionsprophylaxe. Innerlich wurde die zusammenziehende Pflanze bei Durchfall und Ruhr verwendet.

 

Hauptwirkstoffe

Polyphenole: in der Pflanze sind sie u.a. verantwortlich für die Blütenfarbe, das Aroma und als Schutz vor Krankheiten und Schädlingen. Manche der Polyphenole sind als „Gerbstoffe“ bekannt. Im Körper haben sie einen virushemmenden Effekt, indem sie verhindern, dass Viruspartikel wirkungsvoll in die Zelle eindringen können. Äußerlich haben die Polyphenole eine hautstraffende Wirkung, so dass sie in der Kosmetikindustrie gerne zur Faltenglättung eingesetzt wird. Die Varietät Cistus incanus Pandalis besitzt einen besonders hohen Anteil dieser Polyphenole – aus ihr sind in der Apotheke einige Fertigpräparate erhältlich.

Flavonoide: sie beeinflussen eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen im Körper und wirken z.B. entzündungshemmend, antioxidativ, tumorhemmend, antiviral.

Harz: es wirkt antimikrobiell, d.h. schützt vor bakteriellen Infekten und Pilzinfektionen, und besitzt die Fähigkeit, mit Metallen Komplexe zu bilden und diese auszuscheiden.

Ätherisches Öl: es hat antiseptische, krampflösende und lymphentstauende Eigenschaften. Durch Wasserdampfdestillation kann das ätherische Öl aus frischen Pflanzenteilen gewonnen und als Cistus-Essenz als Heilmittel eingesetzt werden.

 

Heilwirkungen

Erkältung und grippale Infekte: die Zistrose blockiert die Bakterien und Viren rechtzeitig, so dass die Erreger sich nicht ausbreiten können und die Erkrankung gar nicht ausbricht – ihre Wirkung ist also antimkrobiell und antiviral. Es wird die Konzentration des Immunglobulin A erhöht, welches an der Schleimhautoberfläche wirkt und dort unerwünschte Erreger vor dem Eindringen abhält. Forscher haben festgestellt, dass es in der Pflanzenwelt kein Kraut gibt, dass mit seinen Inhaltsstoffen so wirksam gegen die meisten Grippestämme (ohne Nebenwirkung!) wirken kann wie die Zistrose – sie bekam deshalb auch im Zusammenhang mir der sogenannten Vogel- oder Schweingegrippe besondere Aufmerksamkeit, selbst wenn es hierfür noch keine nachgewiesene Wirksamkeit gibt. Durch innerliche und äußerliche Anwendungen der Zistrose werden also Bakterien und Viren selber angegriffen oder der Körper vor ihnen geschützt. Bislang wurde nur die Cistus incanus-Varietät (Cistus incanus Pandalis bzw. Cystus 052) antiviral geprüft und für wirksam erklärt – erfahrungsheilkundlich wurde sie schon länger so eingesetzt. Selbst auf den bekannten Gastritis-Auslöser „Helicobacter pylori“ soll sich die Zistrose positiv auswirken. Im Falle einer infektiösen Erkrankung lindert die Zistrose als Tee und Gurgelwasser meist schnell die Symptome. Die Zistrose kann somit als Infektblocker bezeichnet werden. Zur Infektvorbeugung gibt es im Handel gibt es z.B. Lutschtabletten oder eine Gurgellösung zu kaufen. Sie können sich aber selber einen Tee aus der Zistrose zubereiten, der sowohl gegurgelt als auch getrunken werden kann.


Rezept: Zistrosentee

Eine Hand bzw. 2-3 EL Kraut mit einem Liter kochend heißem Wasser übergießen und je nach Geschmack zwei bis fünf Minuten ziehen lassen

Dieser herb-würzige Tee kann zur Infektvorbeugung und –behandlung 3 x täglich getrunken oder nach Bedarf zur Infektabwehr oder bei Halsschmerzen gegurgelt werden. Außerdem wirkt er entgiftend und hat eine heilsame Wirkung bei Hautkrankheiten.

 
Schwermetallentgiftung
: die Zistrose ist v.a. durch ihre Gerbstoffe und Harze in der Lage, Schwermetalle zu binden und aus dem Körper auszuscheiden. Eine Studie mit starken Rauchern hat dies bestätigt, denn bei ihnen sank der Cadmiumspiegel im Blut signifikant nach der Einnahme eines Cistus-Getränkes. Es kann deshalb davon ausgegangen werden, dass sich Zistrosentee von polyphenolreichen Zistrosen z.B. auch bei Amalgambelastung im Körper sehr positiv auswirkt.


Hautheilende Wirkung
: die Zistrose wirkt bei Akne, Neurodermitis und Hautunreinheiten; sie strafft und regeneriert die Haut, wirkt angenehm juckreizlindernd und ist heilsam bei Verletzungen. Bei Hauterkrankungen kann der Zistrosen-Tee getrunken und ein Zistrosen-Sud zum Waschen der betroffenen Stellen verwendet werden ohne anschließend abzutrocknen. Dazu wirkt eine Salbe aus Zistrosenessenz heilungsunterstützend.

 
Rezept: Zistrosen-Sud

2–3 EL Zistrosenkraut (ca. 10 g) zusammen mit ½ Liter Wasser in einem Topf erhitzen und 5 Minuten köcheln lassen.

- dieser Sud wird für Waschungen von erkrankten Hautpartien verwendet – anschließend auf der Haut trocknen lassen a wirkt juckreizlindernd und heilend

- wird der Mundraum regelmäßig mit dem Sud gespült, kann Parodontose und Karies wirksam vorgebeugt werden

 
Rezept: Hautsalbe

5 % Zistrosenessenz in eine Salbengrundlage, ein Basisöl (z.B. Jojobaöl) oder Kieselgel einrühren

Bei chronischen Hauterkrankungen, Ekzemen und bei Schuppenflechten regelmäßig auftragen; außerdem wirksam bei Akne, fetter und entzündeter Haut

 

 

Empfehlenswerte Zistrosen-Produkte sind z.B. von Dr. Pandalis erhältlich (und können in der Apothke bestellt werden).

 

 

 

Literatur:

- Dr. Günter Harnisch: Cystus, Gesundheit und Schönheit aus der griechischen Wildpflanze
- Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde
- Susanne Fischer-Rizzi: Himmlische Düfte
- Susanne Fischer-Rizzi: Botschaft an den Himmel

 

 

Sendung am: 
3. November 2009
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee