Bitterstoffe zur Fastenzeit

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Frühjahrsputz für den Körper
Nach den doch zahlreichen oft sauerstoffarmen und grauen Wintermonaten bietet uns die traditionelle Fastenzeit eine wunderbare Möglichkeit, den Stoffwechsel zu regenerieren und den Organismus zu entgiften. Auch Paracelsus oder Hildegard von Bingen setzten das Fasten ein, um zahlreiche chronische Krankheiten und Stoffwechselprobleme zu lindern und positiv zu beeinflussen. Das traditionelle Fasten beinhaltet den Verzicht auf Nahrung und Genussmittel für eine begrenzte Zeit von fünf Tagen bis zu fünf Wochen, reichlich Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Darmentleerung und ausreichend Bewegung im Wechsel mit Ruhephasen. Es soll der Entschlackung, der Reinigung des Organismus von aufgestauten, krankmachenden Stoffwechselprodukten dienen. So lösen sich z.B. in das Bindegewebe eingelagerte Substanzen auf, Harnsäure und Cholesterin werden verstärkt ausgeschieden und nach einigen Tagen werden auch über Haut und Lunge weitere Stoffwechselprodukte abgegeben. Als eine der tiefgreifendsten Naturheiltherapien kann es helfen, Krankheiten an der Wurzel zu packen und den Stoffwechsel zu normalisieren. Von unschätzbarem Wert ist während solch einer Fastenkur der Einsatz von Bitterstoffen, am besten in Form von Tees, welche die Ausscheidung von Giftstoffen über die unterschiedlichsten Organe wie Leber (unser wichtigstes Entgiftungsorgan!!!), Niere, Darm, Lunge und Haut unterstützen. Und auch wenn wir nicht im traditionellen Sinne fasten möchten, so können wir uns wenigstens eine Bitter-Tee-Kur gönnen, denn auch diese allein schon kann viel im Körper bewegen und spürbar wohltuende Effekte auf verschiedenen Ebenen erreichen.

 
Bitterstoffe – leider nicht mehr in aller Munde

Die Bitterstoffe (auch „Amara“ genannt) sind mit ihren vielen positiven Auswirkungen auf den Organismus heutzutage fast in Vergessenheit geraten – bitter schmeckende Pflanzen und Kräuter spielen aber seit jeher als Mittel zur Magen- und Darmpflege und zur Nervenstärkung eine große Rolle. Zugunsten eines milden Geschmacks wurden natürliche Bitterstoffe aus unserem Gemüse weitgehend herausgezüchtet und fehlen nun unserer Verdauung als natürliche Anregung unserer Verdauungssäfte in Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse. Durch sie können mehr nahrungsspaltende Enzyme ausgeschüttet und Eiweiß, Kohlehydrate und Fette besser verdaut werden. Darüber hinaus wirken sie dadurch verschiedensten Verdauungsbeschwerden wie z.B. Blähungen entgegen. Da die Motilität der Verdauungsorgane angeregt wird, helfen Bitterstoffe auch bei Beschwerden wie Verstopfung und Völlegefühl und verhindern eine zu lange Darmpassage, welche unangenehme Gärungsprozesse zur Folge haben kann. Außerdem sind sie wichtig bei der Entsäuerung und Stärkung des Körpergewebes.

 

Runter mit den Pfunden?
Eine Gewichtsabnahme ist lediglich angenehmer Nebeneffekt einer Fastenkur, der jedoch meist nicht von langer Dauer ist. Letztendlich aber können Bitterkräuter genau diesen Effekt erzielen, wie es nun in wissenschaftlichen Studien mit einem in Apotheken erhältlichen urbitteren Granulat nachgewiesen wurde. Demnach verringerten sich sowohl der Bauchumfang als auch das Körpergewicht signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bitterstoffe bewirken also nachweislich den Abbau von überschüssigen Fettdepots im Körper, welche sogar laut neuer Forschungsberichte krebsauslösend wirken können. Auch der Entstehung des sogenannten „metabolischen Syndroms“ wird somit vorgebeugt – also u.a. Bluthochdruck oder dem Typ-2-Diabetes.

Bei regelmäßiger Einnahme reduzieren Bitterstoffe zudem deutlich den Heißhunger auf Süßes, steigern das natürliches Geschmacksempfinden und bewirken eine Abneigung gegenüber üppiger Mahlzeiten.

Bitter macht lustig!
Laus, die uns gelegentlich über die Leber läuft, wird durch Bitterstoffe gründlich verjagt! In der Tat ist es so, dass eine müde, überarbeitete Leber auf das Gemüt schlägt. Unterstützen wir sie aber mit Bitterstoffen, so zeigt sich das schnell auch in unserer psychischen Verfassung und wir erleben wieder mehr Leichtigkeit und Heiterkeit im Alltag.

 
Tonika auf allen Ebenen
Wer Bitterstoffe zu sich nimmt, kann also fast sicher sein, positive Veränderungen im Körper verzeichnen zu können. Durch die entgiftende Wirkung bekommen wir vielleicht ein schöneres Hautbild, durch eine bessere Nahrungsverwertung und somit verbesserte Aufnahme von Spurenelementen und Mineralien fühlen wir uns oftmals kraftvoller (z.B. bei Frühjahrsmüdigkeit) und durch eine insgesamt tonisierende, anregende Wirkung werden wir auch vor Infekten besser geschützt. Außerdem verbessern sie die Herztätigkeit, helfen bei träger Verdauung und Verstopfung und wirken fiebersenkend. Forscher haben nun sogar entdeckt, dass Bitterstoffe zu einer Erweiterung der Atemwege führen können, so dass sie sogar (inhaliert) bei einer Asthma-Therapie in Erwägung gezogen werden sollten.
 

Einige wertvolle Fastenbegleiterinnen

Hier folgt eine Auswahl ein Heilpflanzen, die sich besonders während einer Fastenkur oder für eine Entgiftungskur mir Kräutern im Frühjahr eignen:
 

Artischocke – Cynara scolymus

Mit der Artischocke verbinden wir eher leckere eingelegte Blütenknospen oder den bekannten Aperitif namens Cynar, der uns schon eher die gesunden Bitterstoffe in dieser Pflanze erahnen lässt. Als bitterer Tee genossen sticht das Kraut durch seine Senkung der Blutfettwerte hervor, aber auch durch seine leberschützende Wirkung, die vermutlich auf die Entgiftung durch Anregung des Leberstoffwechsels zurückzuführen ist.

Rezept: Magenbitter
Auch wenn die wässrige Lösung einer alkoholischen vorzuziehen ist, so kann ein Magenbitter im Akutfall eine schnelle Hilfe bei Verdauungsbeschwerden sein. Um diesen vorrätig zu haben, setzen wir 25 Gramm Artischockenblätter (oder auch eine fertige Mischung an Bitterstoffdrogen) mit ½ Liter 38%igem Korn an und lassen das Ganze verschlossen mindestens zwei Wochen an einem hellen, warmen Ort ziehen, wobei wir das Gefäß täglich schütteln. Anschließend abseihen und in eine dunkle Flasche füllen. Bei Bedarf bis zu einem Schnapsgläschen voll trinken.
 

Wegwarte – Cichorium intybus

Die Bitterstoffe der Wegwarte, welchen wir übrigens auch im Chicoree-Salat oder im Zichorienkaffee begegnen, bewirken eine Stimulierung von Leber und Galle.

Die Pflanze hilft bei Leber- und Gallestau, Stauungen im Pfortaderbereich, bei Milzschwäche, Hepatitis, Ikterus und wird zur allgemeinen Reinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet. Wissenschaftlich erwiesen ist inzwischen auch, dass die Wegwarte durch Kationenbindung Schwermetalle (Kadmium, Blei, Quecksilber) zu binden vermag und bewirkt, dass diese Stoffe nicht ins Blut gelangen, sondern ausgeschieden werden.

 
Rezept: Wegwartenkaffee
Wer auch während einer Fastenkur nicht ganz auf Kaffee verzichten mag, sollte auf den leicht bitteren Zichorienkaffee umschwenken. Dazu die Wurzeln ausstechen, Blätter abschneiden, gut reinigen und in Stücke (Kaffeebohnengröße) schneiden. Auf einem Backblech ausbreiten und im Backofen bei 220°C rösten, bis die Wurzelstücke dunkelbraun geworden sind. Vor Gebrauch in einer Kaffeemühle mahlen (oder im Mörser zerstoßen) und als filter- oder Brühkaffee zubereiten. Übrigens können alternativ hierzu auch die verwandten Löwenzahnwurzeln verwendet werden.

 
Löwenzahn – Taraxacum officinale

Von Löwenzahnblättern können wir zu dieser Jahreszeit eigentlich gar nicht genug bekommen, denn sie sind ein Hauptbestandteil von legendären Frühjahrskuren, die uns so richtig durchputzen und zu neuen Kräften bringen sollen. Die Leber profitiert ganz besonders von diesem kraftvollen Kraut und kurbelt ihre Entgiftungs- und Ausleitungsfunktion an, bildet zudem mehr Magen- und Gallensaft (weshalb bei Gallensteinleiden therapeutischer Rat eingeholt werden sollte), welche wiederum unserer Verdauung zugute kommt. Insgesamt werden wir so von belastenden Stoffen befreit, die Nährstoffe werden besser verwertet und Fette leichter verarbeitet, wir erhalten eine gesunde Extraportion an Mineralstoffen und Vitaminen (v.a. Kalium und Vitamin C) und kommen auf diese Weise zu vielleicht ganz ungewohnten Kräften. Das ist auch der Grund, weshalb der Löwenzahn mitunter als „Ginseng Europas“ bezeichnet wird. Dass der Löwenzahn übrigens eine zur Entgiftung durchaus erwünschte harntreibende Wirkung hat, besagt der Volksname „Bettsaicher“ oder die französische Bezeichnung „Pissenlit“. Er scheidet also vor allem über Leber und Niere Giftstoffe aus dem Körper heraus.

 
Rezept: Löwenzahntee
Eine gute Hand voll Löwenzahnblättern klein schneiden (entspricht ca. zwei Esslöffeln kleingeschnittenem Kraut), mit einem Liter kochend heißem Wasser übergießen und über den Tag verteilt, am besten vor den Mahlzeiten, trinken. Zur Frühjahrskur ca. 4 Wochen anwenden.
 

Die Schafgarbe – Achillea millefolium

Die Schafgarbe ist eine sehr angenehme Bitterstoffpflanze und kann sogar bei unterschiedlichsten Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden - aufgrund ihres sehr breiten Wirkungsspektrums wird sie sogar seit langer Zeit als “Heil aller Schäden” betitelt. Selbst Achilles hat die Heilkräfte schon gekannt, als Wundheilkraut eingesetzt und verhalf dem charakteristischen, stark verästelten „Tausendblatt“ zum botanischen Namen „Achillea millefolium“.

Die Schafgarbe enthält verdauungsunterstützende Bitterstoffe und unterstützt die Leber in ihrer Funktion, weshalb sie gerne begleitend während einer Fastenkur eingesetzt wird – innerlich als Tee wie äußerlich als Auflage.

Die Schafgarbe enthält außerdem viele Mineralien, die dem Basenhaushalt gut tun, aktiviert durch ihre Bitterstoffe den gesamten Stoffwechsel und bewirkt damit eine gründliche Reinigung aller Organe. Jetzt im Frühjahr können wir bereits kleine Blätter der Schafgarbe entdecken und zur Blutreinigung verwenden. Sie unterstützen dabei außerdem noch die Nierenfunktion, was zur noch besseren Ausleitung von Giftstoffen verhilft. Auch bei Fastenden, die durch die entfallende Energiezufuhr über die Nahrung frieren, können durch die Schafgarbe Unterstützung erfahren, weil sie Wärme in den Körper bringt und ganz nebenbei deshalb vor Erkältungen schützen kann.

 
Rezept: Schafgarbentee für innere Wärme
Einen Teelöffel getrocknetes oder zwei Teelöffel frisches Schafgarbenkraut mit ½ l kochend heißem Wasser überbrühen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Zur Fastenunterstützung bis zu einem Liter Tee den Tag über verteilt trinken.

Leberunterstützung durch Schafgarbenwickel
Während des Fastens können Sie den Leberstoffwechsel mit einem Schafgarbenwickel unterstützen. Eine Wohltat ist das um die Mittagszeit. Er wirkt krampflösend und lindert den manchmal unangenehmen Druck auf der Leber.

Leberwickel
Zwei Teelöffel getrockneter Schafgarbe werden mit einem halben Liter kochend heißem Wasser übergossen und ungefähr 10 Minuten ziehen gelassen. Dann das Kraut abseihen und ein Baumwolltuch damit tränken (Vorsicht heiß!). Dieses wird auf die Lebergegend gelegt, mit einem kleinen Frotteehandtuch abgedeckt und eine sehr warme Wärmeflasche darüber gelegt – das sorgt für eine feuchte Wärme. Damit mindestens 15 Minuten Bettruhe genießen, solange die Temperatur des Wickels angenehm ist.

Zu Information: den "Urbitter-Tee" sowie das "Urbitter-Granulat" können Sie bei Dr. Pandalis oder in jeder Apotheke bestellen - die jeweilige PZN finden Sie ebenfalls auf der Website von Dr. Pandalis
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Sendung am: 
30. März 2011
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee