DER BOCKSHORNKLEE

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) ist eine sehr alte Kulturpflanze und wurde u.a. im Ägypten der Pharaonen gezüchtet. Dort spielte er eine besondere Rolle in religiösen Zeremonien und wurde auch im Grab des Tutenchamun gefunden. Frauen verwendeten ihn zur Geburtseinleitung und zur Förderung der Milchbildung. Auch beinhaltete das größte Buch der Heilkunst im Alten Ägypten – das Papyrus Ebers, Rezepturen zur Behandlung von Brandwunden mit Bockshornklee. Auch in Griechenland wurde er sehr geschätzt – dort röstete man ihn schon vor 2000 Jahren und süßte ihn mit Honig. Für Sokrates gehörten die Samen zum „Studentenfutter“, was ihm den  Namen „Philosophenklee“ einbrachte. Aus der indischen und arabischen Küche kennen wir ihn als charakteristisches Gewürz, u.a. als Bestandteil im bekannten „Curry“. In Nordafrika wurden aus dem Bockshornklee ein Kaffeeersatz und andere Getränke hergestellt.
Erst im neunten Jahrhundert gelangte der Bockshornklee nach Deutschland und wurde von Karl dem Großen zum Anbau in Klostergärten angeordnet. Er fand damals auch als Futtermittel Einsatz.
Im Mittelalter pflanzten Mönche den Bockshornklee z.B. zur Behandlung von Leber- und Nierenbeschweren, Blutvergiftung, Nachlassen der Sehkraft bis hin zu Fieber an.
Figurbewusste Orientalinnen wiederum verwendeten ihn einst dafür, um Rundungen am rechten Ort zu erwerben, denn er verhilft zu gutem Appetit zurück. Hildegard von Bingen empfiehlt den Bockshornklee ebenfalls bei Appetitlosigkeit, als Heilmittel gegen Hauterkrankungen und zur Steigerung der Abwehr.

Herkunft des Namens
Den Namen verdankt der Bockshornklee seinen Fruchthülsen, die an die Hörner eines Ziegenbocks erinnern. Der Geruch der Samen ist aromatisch („Bockgeruch“), der Geschmack bitter.

Verwendete Pflanzenteile
Der Bockshornklee wird als Kulturpflanze vom Mittelmeerraum bis Zentralasien, in Nordafrika und Äthiopien an sonnigen Plätzen angebaut. In Deutschland findet man ihn wildwachsend häufig im Hafenbereich der Städte. Er besitzt kleeähnliche Blätter und blüht von April bis Juli.
Zu Heilzwecken werden die reifen, getrockneten Samen verwendet (Foenugraeci semen), ebenso zum Keimen als gesunde Rohkost. Sie sind in den ca. 10 cm langen Fruchthülsen enthalten. Das Kraut ist im Handel zum Würzen erhältlich und hat einen sehr angenehmen, aromatischen Geschmack.

Inhaltsstoffe
Der Samen des Bockshornklees enthält besonders viele Schleimstoffe sowie Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette und Mineralien. So beträgt  der Mineralstoffanteil 4 % (v.a. Kupfer, Phosphor, Kalium, Magnesium, Mangan, Calcium, Eisen, Zink). Der Vitamin-C-Gehalt ist ebenfalls ungewöhnlich hoch. Manche Stoffe sind erst nach einer thermischen Behandlung nachweisbar, z.B. das Niacin (Vitamin B3), welches aus Trigonellin umgewandelt wird und als Haarwachstumsfaktor bekannt ist. Außerdem enthält Bockshornklee Saponine, Gerb- und Bitterstoffe. Seine medizinische Wirkung ist allerdings einem breiten Wirkstoffgemisch zu verdanken.

Einsatz in der Küche
Die Pflanze diente schon in der Antike zur Züchtung von Keimsprossen und sowohl sie als auch die Blätter wurden als Gemüsepflanze eingesetzt. Die Samen an sich wurden und werden zum Aromatisieren eingesetzt – sei es zu Kaffe oder Brot. Sie sind übrigens getrocknet und geröstet ein Bestandteil des Currypulvers. Überliefert ist auch die Verwendung der eingeweichten und gekochten Samen als Milchersatz für Säuglinge. Kulinarisch eingesetzt wird Bockshornklee heute noch vor allem im Nahen Osten, Griechenland und im vorderasiatischen Raum.

Innerliche Anwendungen

Bockshornklee hat allgemein stärkende, regenerierende Wirkungen und unterstützt das allgemeine Wohlbefinden. Er wurde traditionell als Aphrodisiakum, bei Katarrhen der oberen Atemwege und als auswurfförderndes Mittel bei Verschleimungen der Lunge eingesetzt. Neben entzündungshemmenden Eigenschaften, sind auch antimikrobielle, immunstimulierende und fiebersenkende Effekte sowie positive Wirkungen auf den Herztonus und die Anregung von Darm und Gebärmutter von Bockshornklee beschrieben. So wird Bockshornklee innerlich als verdauungsförderndes Tonikum vor allem bei Appetitmangel, Magersucht und Gewichtsverlust eingesetzt. Außerdem wirkt er ödemvorbeugend.

Auch fett- und blutzuckersenkende Eigenschaften des Bockshornklees sind bekannt. Bei Patienten mit koronaren Herzkrankheiten senkte die tägliche Aufnahme von 2,5 g Bockshornklee über 3 Monate deutlich die Blutfettwerte, was mit den enthaltenen Saponinen in Zusammenhang gesehen werden kann. In Versuchen wurde auch eine immunstimulierende und eine Arteriosklerose vorbeugende Wirkung bestätigt.

Durch regelmäßige Einnahme von Bockshornklee erhöht sich der Hämoglobingehalt im Blut und die Aufnahmekapazität von Sauerstoff steigt. Diese Eigenschaften des Bockshornklees wussten schon die Griechen und setzten ihn zur Leistungssteigerung, also quasi als Doping, ein. Die im Bockhornklee enthaltenen Saponine unterstützen die Resorption von Vitaminen und Mineralien, so dass es insgesamt zu einer besseren Nährstoffverwertung kommt.

Berichte über eine milchbildungsfördernde Wirkung von Bockshornklee reichen bis 1945 zurück – in Asien wird er seit langem so eingesetzt. Tatsächlich steigt durch die Einnahme von Bockshornklee die Milchproduktion von stillenden Müttern, auch wenn der genaue Wirkungsmechanismus derzeit noch unbekannt ist. Es wird ein Zusammenhang mit dem hohen Gehalt an Saponinen sowie verbesserte Verwertbarkeit von Zink und Kupfer durch die Einnahme von Bockshornklee angenommen.

Viele Anwender von aktiviertem Bockshornklee mit hormonell bedingtem Haarausfall berichten über ein verbessertes Haarwachstum und eine intensivere Haarfarbe. Es wird vermutet, dass durch die Einnahme von Bockshornklee die Sauerstoffversorgung der Haarfollikel steigt, Nährstoffe besser verwertet werden, was sich in einem verbesserten Wachstum der Haarfollikel äußert.

Verwendungsform
Die Samen innerlich gemahlen oder geschrotet, z.B. in Form eines Absuds oder in Kapseln, eingenommen.
Dabei ist zu beachten: die im Bockshornklee enthaltenen Saponine besitzen außer therapeutisch wertvollen Eigenschaften eine ausgeprägte Hämolysewirkung, d.h. sie können rote Blutkörperchen schädigen, indem sie deren Zellmembran angreifen. Das passiert allerdings nicht nach der Erhitzung, denn dadurch werden die schädlichen Saponine zerstört. Außerdem können durch die Zugabe von Vitamin-E-reichem Gerstenöl die Erythrozyten zusätzlich geschützt und aus Trigonellin entsteht Niacin, welches bei Stoffwechselvorgängen wichtig ist. Schon die alten Griechen haben aus diesen Gründen den Bockshornklee in Gerstenöl thermisch behandelt.
Auch heutzutage nutzen Hersteller den Prozess der Aktivierung des Bockshornklees, so dass ein Teil der hämolysierenden Aktivität der Saponine (etwa 40 %) zerstört und die ernährungsphysiologische Verwertbarkeit des Bockshornklees verbessert wird. Durch diese Behandlung entfaltet der Bockshornklee seine optimale, gesundheitsfördernde Wirksamkeit und wir dann aktivierter Bockshornklee bezeichnet.

Rezept: Tee aus Bockshornkleesamen
Täglich bis zu 18 g Samen in einem Absud verwenden: die Samen gemahlen oder geschrotet in einem Liter Wasser aufkochen und 15 Minuten köcheln lassen. Drei Mal täglich vor den Mahlzeiten trinken.
Hilft u.a. bei Erkrankungen der oberen Luftwege, wirkt blutdrucksenkend, milchbildend, appetitanregend und kräftigend.

Rezept: Brotaufstrich
Je einen Löffel Samenpulver, Butter und Honig miteinander mischen und als Brotaufstrich verwenden.
Wirkt z.B. wohltuend bei Darmgeschwüren.

    
Kontraindikationen: wegen der wehenanregenden Wirkung sollte Bockshornklee nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden, ist aber während der Geburt  und danach unterstützend.

Äußerliche Anwendungen

Äußerlich findet das durchblutungsfördernde, entzündungshemmende Pulver aus den Bockshornkleesamen als Umschlag oder Auflage bei Hautentzündungen, Geschwüren und Ekzemen Einsatz. Bockshornklee zeichnet sich durch ein außerordentlich hohes Quellvermögen aus und er kann ein Mehrfaches seines Eigengewichtes an Flüssigkeit aufnehmen. Diese Eigenschaft führt dazu, dass bei äußerer Anwendung überschüssige Gewebsflüssigkeit aus entzündeten Hautpartien aufgenommen wird, zum Beispiel bei Gelenkschwellungen nach Sportverletzungen. Auch bei Beschwerden des entzündlich rheumatischen Formenkreises, Knochenhautentzündungen und Tennisellenbogen kann der Bockshornklee eingesetzt werden und er wirkt bei Nagelbettentzündungen, Furunkeln und  Schleimbeutelentzündungen erweichend und schmerzlindernd.

Feucht-heiße Wickel bewirken durch intensive Wärmeeinwirkung eine lokale Gefäßerweiterung und Durchblutungssteigerung und werden vorrangig zur Entkrampfung und Entspannung und darüber zur Schmerzlinderung eingesetzt. Typische Anwendungsbeispiele sind Muskelverspannungen, verhärtetes Gewebe (z.B. bei Hexenschuss), Gelenkentzündungen, chronische Polyarthritis, Nagelbettentzündung, Furunkel.
Kalte Wickel werden vor allem angebracht, um eine Abschwellung zu erreichen, Wärme bei entzündlichen Vorgängen abzuleiten und die Schmerzempfindung herabzusetzen. Sie vermindert auch eine Hämatombildung. Eingesetzt werden kalte Wickel bei Schmerzen durch entzündliche Vorgänge, bei Schwellungen nach akuten Traumen, Verstauchungen, akuten Gelenkschmerzen.

Rezept: Auflage mit Bockshornkleepulver
Samen grob im Mörser pulverisieren und mit heißem oder kalten Wasser (je nach Beschwerden) zusammen mit einem Teelöffel Öl zu einem dickflüssigen Brei verrühren. Diesen fingerdick auf ein Baumwolltuch streichen und auf der zu behandelnden Stelle befestigen – günstigerweise über Nacht.
Kann bei Geschwüren, Entzündungen (Nagelbettentzündung, Furunkel, Schleimbeutelentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Nebenhöhlenentzündung, „Tennisellenbogen“, rheumatischen Beschwerden) und Verhärtungen (z.B. bei Brust bei stillenden Müttern) aufgelegt werden.
Achtung: bei Hautreizungen wie Brennen oder Juckreiz die Auflage schnell abbrechen

In der Apotheke gibt es fertige Mischungen mit Bockshornkleepulver, die besonders saugfähig und etwas kühlend wirken und sich so z.B. bei Nagelpilz, Akne und seborrhoischem Ekzem eignen, oder die zum Wärmen eingesetzt werden, was sich besonders wohltuend auf Verspannungen und Bewegungseinschränkungen auswirkt.

 

Sendung am: 
11. August 2010
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee