DIE MANDEL

Botanik
Seine Heimat hat der Mandelbaum in China und Kleinasien, er ist aber inzwischen in vielen Mittelmeerländern eingebürgert. Er kann bis zu 5 m hoch werden und besitzt eine breite Krone sowie einen krummen Stamm. Schon Ende Januar zeigen sich seine einmalig schönen rosafarbenen Blüten – nicht ohne Grund werden Jahr für Jahr unzählige Reisen zur Mandelblüte auf Mallorca angeboten! Die drei bis vier cm lange, grüngrau behaarte Steinfrucht platzt zur Reifezeit auf und gibt die essbaren Kerne (Mandeln) frei. Bei uns gedeiht der Mandelbaum nur in Weinbaugebieten. Da er sehr früh blüht, besteht immer die Gefahr, dass die Blüten erfrieren und es selten zum Heranreifen von Früchten kommt. Süße Mandeln werden vor allem in Backwaren verwendet und gemahlen zur Herstellung von Marzipan genutzt.
Es muss zwischen den giftigen bitteren Mandeln (Prunus dulcis var. amara) und süßen Mandeln (Prunus dulcis) unterschieden werden, was dem Baum selber kaum anzusehen ist. Die Früchte der süßen Mandel sind allerdings etwas größer als die der bitteren. Die Bezeichnung Prunus stammt von Pflaume, dulcis meint süß und amara bitter.

Geschichte

In Asien wurde der Mandelbaum schon vor Jahrtausenden kultiviert, im 5. oder 6. Jahrhundert haben ihn die Griechen in Europa eingeführt. Die Römer verbreiteten den Mandelbaum bis zu den Alpen, aber in die meisten Mittelmeerländer kam er erst im späten Mittelalter. Im Kräuterbuch des Tabernaemontanus (1520 - 1590) lesen wir über die bittere Mandel: " (...) Man saget / daß die bitteren Mandeln die Trunkenheit verhüten sollen: Man muß aber nicht zu viel saufen / sonst werden sie wenig helfen (...)“. Hildegard von Bingen lobte die große Heilwirkung der süßen Mandel für die Leber und Lunge. Sie empfahl, täglich 10 Stück zu essen.

Heilwirkungen
Mandelkerne sind ein wahres Energiekonzentrat! Sie enthalten reichhaltige Inhaltsstoffe wie hochwertiges pflanzliches Eiweiß, Vitamine des B-Komplexes und Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium und Kalium, Öle, Schleimstoffe und Kohlenhydrate. Der regelmäßige Verzehr von Mandeln wirkt kräftigend und soll Herz-, Kreislauferkrankungen vorbeugen. Allerdings: Mandeln müssen sehr gründlich gekaut werden, sonst werden sie praktisch unverdaut wieder ausgeschieden. Man kann sie, um sie besser verdaulich zu machen, 6 bis 12 Stunden in Wasser einlegen oder vor dem Essen leicht rösten.

Außerdem wirken die Blüten des Mandelbaumes abführend und entwurmend, Blätter und Schalen regen die Leberfunktion an und sind hustenstillend und die Rinde kann harntreibend und ebenfalls entwurmend eingesetzt werden.

Das fette, aus den Kernen gepresste Mandelöl (Oleum amygdalarum) wird als Schönheitsmittel seit Jahrhunderten geschätzt. Es ist reich an Linolsäure, Ölsäure und anderen Fettsäuren. Innerlich eingenommen wirkt es als mildes Abführmittel und beruhigend auf Reizungen im Verdauungssystem (1-3 EL einnehmen). Äußerlich ist es ausgezeichnet für brüchiges Haar und die Behandlung rissiger und sehr trockener Haut. Es nährt und strafft, mildert Juckreiz und heilt oberflächliche Entzündungen. Es ist ein klassisches Basisöl für Massagen, denn es pflegt und nährt die Haut, dringt sehr gut ein und eignet sich für jeden Hauttyp. Es ist ungefähr zehn Monate haltbar. Die Mandelkleie (Farina amygdalarum) wird aus den Pressrückständen bei der Ölherstellung gewonnen. Sie dient wegen ihrer reizmildernden Wirkung zum Waschen und Baden bei empfindlicher Haut und kann für Gesichtsmasken oder –peelings eingesetzt werden.

Magie und Brauchtum
Mandelbaumharz wurde laut Überlieferungen bereits im alten Delphi von den Griechen als Räuchermittel verwendet. Es soll durch seinen feinen Duft bezaubernd wirken und böse Geister, Hexen und Zauberer vertreiben. Die Griechen verbrannten Mandelbaumharz bei ihren Zeremonien und Festlichkeiten. Es wurde gegen Krankheitsgeister in allen Gassen von Delphi verbrannt, damit die Pest keinen Einzug halten konnte, da das Mandelharz desinfizierende und reinigende Eigenschaften besitzt. Der Duft von Mandelharz soll angeblich die Fähigkeit besitzen, Herzen zu verbinden, das Liebesleben zu versüßen, die Menschen für Mitgefühl zu öffnen und das Einfühlungsvermögen zu verfeinern. Früher hieß es, dass das Besteigen eines Mandelbaumes den Erfolg von geschäftlichen Unternehmen sichern soll und dass in der Tasche getragene Mandeln zu versteckten Schätzen führen.

Zu beachten!
Bittere Mandeln sind giftig, denn sie spalten im Körper Blausäure ab, was im Falle einer Überdosierung zur Lähmung des Atemsystems führt. Darum nur eindeutige Süßmandeln ernten und verzehren!


Rezepte mit Mandel

Gesunde Mandelmilch
80 g Mandeln fein mahlen, 500 ml Wasser hinzugeben und bis zu 4 Minuten mixen. Dann die Mischung in den Kühlschrank stellen und mind. 5 Stunden einweichen lassen. Anschließend nochmals einige Minuten mixen. Schnelle Alternative: eine kl. Hand voll Mandeln im Mörser fein zerstoßen, 1 - 2 TL Honig oder anderes Süßmittel hinzu fügen und mit einem halben Liter Wasser vermixen.
a gesundes, nährendes Getränk, wird aber auch in der Kosmetik verwendet: sie hilft bei Hautschäden, rauer Haut, leichten Verbrennungen und nährt trockene Haut.

Wohltuendes Massageöl
Für Heilmassagen bei Durchblutungsstörungen und Verspannungen werden in 100 ml Mandelöl 15 – 25 Tropfen ätherische Öle je nach Wunsch gemischt, zum Beispiel:
Mandarine: entspannt verkrampfte Muskulatur
Zitrone: tonisiert die Muskulatur, venenstärkend
Zimtblätter: wärmend und entspannend, krampflösend
Orange: gegen Zellulitis, hautpflegend, -beruhigend, durchblutungsfördernd
Weißtanne: belebend, durchblutungsfördernd, kreislaufanregend

Mandelkleie-Maske (bei unreiner und überfetter Haut)
Mandelkleie und lauwarme Milch zu einem Brei verrühren und gleichmäßig auf das Gesicht auftragen. Nach 15 bis 20 Minuten wird die Maske warm abgewaschen und anschließend gut eingecremt. Diese Maske wirkt regulierend auf die Talgproduktion und kann beliebig oft angewandt werden.

Mandelpeeling für unreine Haut
2 EL gemahlene Mandeln mit 1 EL Honig und 1 EL Mandelöl mischen und auf das
Gesicht massieren. Mit lauwarmen Wasser abwaschen.

Entfernen von Augen-Make-up

Einen Wattepad mit lauwarmen Wasser befeuchten, ein paar Tropfen Mandelöl
darauf geben und damit sanft das Augen-Make-up entfernen.

Tipp:
Ist die Haut nach dem Winter kurzzeitig sehr trocken, dann kann man bei
Bedarf eine kleine Portion der üblichen Pflegecreme mit etwas Mandelöl
anreichern. Somit kann man die Pflege individuell und zeitlich begrenzt
gehaltvoller oder weniger gehaltvoller nutzen. Das spart, denn man benötigt
keine zusätzliche Creme, die mitunter nicht aufgebraucht wird.

 

Sendung am: 
28. April 2010
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee