MEERRETTICH, KRESSE & CO. – Senföle für unsere Gesundheit

Immer wieder hören wir von falsch eingesetzten oder zu häufigen Antibiotikagaben, die letztendlich ungewünschte Resistenzen zufolge haben und dem Körper mitunter eher schaden als nützen, da sie z.B. auch die gesunde Darmflora zerstören können. Hinzu kommt, dass Antibiotika nur gegen Bakterien wirken und die vor allem im Winter auftretenden Atemwegserkrankungen in der Mehrzahl von Viren verursacht werden, so dass wir uns in vielen Fällen von leichten bis mittelschweren Infekten nach Alternativen umschauen müssen. Eine besonders interessante Möglichkeit finden wir im Pflanzenreich: senfölhaltige Heilpflanzen haben eine wachstumshemmende Wirkung auf Bakterien, Viren und sogar auch auf Pilze und können erwiesenermaßen oftmals ebenso effektiv bei verschiedenen Infektionen wie klassische Antibiotika eingesetzt werden und sind dabei wesentlich verträglicher. Oftmals werden sie deshalb „pflanzliche Antibiotika“ genannt, auch wenn für sie dieser Begriff eigentlich irreführend ist, da sie ganz anders als herkömmliche Antibiotika wirken.
Ganz aktuell hat eine Studie am Universitätsklinikum Freiburg gezeigt, dass Senfölglykoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gegen 13 Bakterienarten eine ausgeprägte keimhemmende Wirkung entfalten, sogar gegen den „Problemkeim“ MRSA, der als multiresistent gilt und jährlich viele Tausend Todesfälle in Europa zufolge hat.
Für die Abbauprodukte der Senföle wurden zudem auch krebshemmende Eigenschaften nachgewiesen.
 
Was sind Senföle?
Senföle (Glucosinolate) sind charakteristische Inhaltsstoffe von Pflanzen aus der Familie der Kreuzblüten- und Kapuzinerkressengewächse und sorgen dort für den scharfen Geschmack. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen z.B. vor in allen Kohlarten (mit Rosenkohl an der Spitze), verschiedenen Rübensorten (z.B. Schwarzrettich), Senf, Raps, Meerrettich, Kapuzinerkresse, Rucola, Brunnen- und Gartenkresse. Werden die Zellen dieser Pflanzen verletzt, setzt das pflanzeneigene Enzym Myrosinase Senföle frei, die der Pflanze einen Schutz vor Fraßschäden und mikrobiellem Befall bieten. Auch für viele Insekten wirken sie toxisch. Durch starkes Zerkleinern der Gemüse wird die verfügbare Menge an Senfölen erhöht, wogegen ein Erhitzen zu einer Verminderung führt. Deshalb riecht auch eine unbeschädigte Meerettichwurzel oder ein ganzer Rettich an sich nicht scharf, sondern erst beim Anschneiden.

Was bewirken Senföle?

Innerlich angewandt wirken Senföle hemmend auf das Wachstum von Krankheitserregern. Im Gegensatz zu den klassischen Antibiotika können diese natürlichen Wirkstoffe nicht nur Bakterien, sondern auch Viren, Hefen und Pilze abtöten. Selbst in einer Verdünnung von 1:50.000 wirken sie noch antimikrobiell gegen Staphylococcus, Pseudomonas, Proteus sowie gegen Hautpilze.
Bei Infekten der oberen Atemwege und der Harnblase wirken die Senföle besonders gut. Nach ihrer Aufnahme ins Blut zirkulieren sie an Eiweiße gebunden in unserem Kreislauf und reichern sich schließlich in ihren Ausscheidungsorganen, der Harnblase und der Lunge, an. Dort entfalten sie dann vor allem ihre keimabtötende Wirkung.
Äußerlich werden Senföle vor allem zur Hautreizung und Durchblutungsförderung eingesetzt, z.B. in Form von Auflagen und Fußbädern (s.u.)

Einsatzgebiete

Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich sind für die innerliche Einnahme in konzentrierter Form rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Aktuelle Studien mit einem solchen Fertigpräparat belegen, dass verschiedene Atemwegs- und Harnwegsinfekte mit pflanzlichen Senfölen ebenso wirksam behandelt werden können wie mit klassischen Antibiotika. Es ist bekannt, dass bereits der Verzehr von etwa 10 g Kapuziner- oder Gartenkresse sowie Meerrettich dem Urin bakteriostatische Eigenschaften verleiht.
Darüber hinaus fördern die Heilpflanzen die Wundheilung, regen die Bildung von neuem Gewebe an, entgiften das Bindegewebe, verbessern die Entschlackung und vieles mehr. So ganz nebenbei versorgen sie unseren Körper außerdem noch mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und anderen Vitalstoffen.
Da senfölhaltige Heilpflanzen nicht die mit uns im Einklang lebenden nützlichen Bakterien (z.B. Darmbakterien) zerstören, eignen sie sich auch gut zur Vorbeugung von immer wiederkehrenden Infektionen, z.B. von Hals- und Blasenentzündungen.

Senföle sind auch zur Behandlung leichter Infekte bei Kindern gut geeignet, da hier eine möglichst schonende Behandlungsform gewünscht ist.
Das Immunsystem von Kindern befindet sich noch im Aufbau und ist daher besonders anfällig für Infekte, z.B. der oberen Atemwege oder auch der Harnblase. Eine schonende, aber dennoch wirksame Alternative stellt hier die Behandlung mit Senfölen dar. Das Immunsystem der Kinder wird somit nicht noch weiter geschwächt, sondern im Gegenteil: In den Erkältungsmonaten kann die regelmäßige vorbeugende Zufuhr von Senfölen sogar vor Infekten schützen.

Auch in der Tumorvorbeugung haben die stark krebsbremsenden Senföle eine wichtige Bedeutung erlangt: der Stellenwert von Kohlgemüse ist diesbezüglich mittlerweile in mehreren Studien u.a. bei Lungen-, Magen-, und Darmtumoren belegt.
Das Brokkoli-Glucosinolat greift mehrfach schützend ein: Die Substanz hemmt Enzyme, welche die Aktivierung von krebsauslösenden Stoffen fördern und kann Krebszellen in der Vermehrungsphase eliminieren. In Tierexperimenten verhinderte es die Entstehung von Brust- und Magentumoren.
In den USA sind Brokkolisprossen mittlerweile zum Krebsschutzschlager geworden. Sie enthalten 10-100-mal mehr an Glucosolinaten als das reife Gemüse. Auch Kochen vermindert die Menge der heilkräftigen Senföle, so dass Brokkoli als Rohkost in diesem Fall empfehlenswerter ist. Wer sich die Brokkolisprossen selber ziehen möchte, muss unbedingt darauf achten, pestizidfreie Samen zu erhalten.
Eine krebsschützende Wirkung von Brunnenkresse bei Rauchern wurde erst kürzlich festgestellt: In einer Studie bewirkte das tägliche Essen von 3 x 60g Brunnenkresse eine deutlich vermehrte Ausscheidung von krebsfördernden Stoffen aus dem Tabakrauch.
Doch auch Gartenkresse, Kapuzinerkresse und Meerrettich können bei Rauchern eine erfolgsversprechende Präventivmaßnahme sein.

Äußerlich werden Senföle als hautreizende Stoffe bei unterschiedlichsten Erkrankungen eingesetzt – sei es als Fußbad, Auflage oder Einreibung. Sehr wirksam und oftmals angewandt sind sie vor allem bei Nebenhöhlenentzündungen, Erkältungserkrankungen und Rückenbeschwerden.
 
Nebenwirkungen?
In zahlreichen Studien wurde beobachtet, dass bei dieser Form der pflanzlichen Therapie weniger Nebenwirkungen auftraten, sie also besser verträglich ist. Die Senföle gelangen bereits im oberen Darmabschnitt ins Blut. Daher greifen sie im Gegensatz zu den klassischen Antibiotika die „guten“ Darmbakterien nicht an und stärken damit indirekt unsere Abwehrkräfte. Die im Darm natürlich vorkommenden Bakterien sind nämlich für unsere Verdauung und für ein funktionierendes Immunsystem von großer Bedeutung. Werden sie durch den häufigen Gebrauch klassischer Antibiotika nachhaltig geschädigt, nimmt die Infektanfälligkeit immer mehr zu.

Im Gegensatz zu den klassischen Antibiotika sind bei den bereits seit Jahrhunderten zur Behandlung von Infektionen eingesetzten senfölhaltigen Heilpflanzen keinerlei Resistenzen beobachtet worden. Das ist umso interessanter wenn wir bedenken, dass in Europa jährlich etwa 50.000 Krankheiten tödlich enden, die von resistenten Bakterien ausgelöst wurden.
Allerdings kann durch die Einnahme von Senfölen, v.a. in großen Mengen und auf nüchternen Magen, eine Magenreizung ausgelöst werden. Aus diesem Grund sollten senfölhaltige Pflanzen nicht auf nüchternen Magen eingenommen und bei Unverträglichkeiten auf das hochdosierte Fertigpräparat zurück gegriffen werden.
Vorsicht ist vor allem bei den Frischpflanzensäften geboten, die unbedingt verdünnt werden müssen, da sie stark schleimhautreizend bis geradezu verätzend wirken können.

Eines gibt es bei bestimmten Glucosinolaten noch zu beachten: sie hemmen die Jodaufnahme in die Schilddrüse. Menschen mit einer Schilddrüsenvergrößerung, die viel Kohlgemüse (z.B. im Herbst geernteten Weißkohl, Wirsing) verzehren, sollten daher eventuell nahrungsergänzend Jodid zuführen, um das Risiko eines Kropfwachstums zu beseitigen.

Pflanzen- und Anwendungsbeispiele

Gartenkresse – Vorbeugungsmittel erster Wahl

Eigenschaften und Anwendung:
Die sehr Vitamin-C- und mineralstoffreichen Keimlinge der Kresse sollten möglichst frisch, z.B. als Brotauflage oder Salat, genossen werden. Sie verknüpfen Heilwirkung, Infektionsvorbeugung und Genuss ganz besonders optimal und werden gerne auch für Frühjahrskuren eingesetzt.

Kapuzinerkresse – schön, scharf und schützend

Eigenschaften:
Die Kapuzinerkresse ist reich an Vitamin C, wodurch sie die körpereigene Abwehrkraft und das Immunsystem steigert. Sie wirkt kräftigend und blutreinigend (vor allem die jungen Blätter!), und unterstützt den Körper bei der Ausscheidung von Giftstoffen.
Die Kapuzinerkresse wirkt gegen Infektionskrankheiten besonders im Bereich Niere, der ableitenden Harnwege, bei Bronchitis, Grippe, Mandelentzündung, Ohrenentzündung und Emphysem. Darüber hinaus kann sie bei Infektionen mit Candida albicans helfen.
Bei Blasenentzündungen ist die Kapuzinerkresse durch ihre desinfizierende Eigenschaft eine zuverlässige Helferin. Akute und chronische bakterielle Entzündungen der Blase können mit ihrer Hilfe dauerhaft zum Verschwinden gebracht werden, auch wenn antibiotische Behandlungen vorausgegangen sind, die nicht zu einer vollständigen Abheilung geführt haben.

Frische Blätter:
Einige Blätter der Kapuzinerkresse können täglich zur Blutreinigung und Steigerung der Abwehrkräfte gegessen werden. Bei akuten Infekten alle 2 – 3 Stunden ca. 5 Blätter frisch essen – zur besseren Verträglichkeit nicht auf nüchternen Magen.

Rezept: Kapuzinerkressetinktur
Ca. 120 g frische, zerkleinerte Blätter in ¼ l 30%igem Alkohol ansetzen, immer wieder schütteln und nach 2 Wochen abgießen. Bei Erkältungskrankheiten oder Entzündungen der Harnwege 3 bis 5 mal täglich 20 – 50 Tropfen (je nach Verträglichkeit) einnehmen.

Meerrettich – „Antibiotikum aus dem Garten“

Meerrettich enthält viel Vitamin C (sie hat somit einst nicht nur die Seefahrer vor Skorbut bewahrt) und vor allem Senföle, welche eine hohe keimhemmende und –tötende Wirkung aufweisen. Die Senföle kennen wir aus eigener Erfahrung vom Meerrettichreiben
Eine herausragende Wirkung hat der Meerrettich nicht nur im Verdauungstrakt, wo er z.B. die Leber unterstützt, sondern vor allem bei Infektionen der Atem- und Harnwege. Genau hier wirkt er desinfizierend, löst Husten und wirkt harntreibend. Die Kraftwurzel sollte dann fein gerieben mehrmals am Tag in unsere Nahrung integriert oder als Tee eingenommen werden - allerdings nur in Maßen, denn er dynamisiert den Körper sehr stark. So sollte er auch nicht bei Nierenentzündungen, Geschwüren im Verdauungstrakt und bei Kindern unter vier Jahren angewendet werden. Wenn er aufgelegt bzw. als Tinktur eingerieben wird, wirkt Meerrettich äußerlich angewendet als Ableitungsmittel bei Gicht, Rheuma, Nerven- und Kopfschmerzen und ist altbewährt als Auflage bei Stirnhöhlenentzündung (s.u.).

Rezept: Meerrettichsirup
Frischen Meerrettich fein reiben (selbst diese Aktion trägt schon zur Genesung bei!) und lagenweise mit flüssigem Honig in ein Glas füllen. Nach 24 Stunden abpressen, in kleine Fläschchen füllen und kühl lagern, innerhalb einer Woche aufbrauchen
- Bei Husten, Schnupfen, Stirnhöhlen- und Nebenhöhlenkatarrh, Asthma (löst festsitzenden Schleim) 3 bis 5 mal täglich 1 Teelöffel davon einnehmen.
- eliminiert Krankheitserreger
- auch bei Blasenentzündung zu empfehlen

Rezept: Meerrettich-Auflage

Ein etwas 10 cm langes Meerrettichstück fein aufreiben (alternativ dazu kann auch Meerrettich aus dem Glas verwendet werden) und mit etwas Wasser zu einem streichfähigen Brei verrühren. Diesen Brei messerrückendick auf ein Leinentuch streichen und auf die schmerzenden Stellen lagen. Nach längstens 5 Minuten wieder entfernen, um eine übermäßige Reizung der Haut zu vermeiden. Empfindliche Haut kann zuvor mit Öl eingerieben werden.
Bei Kopfschmerzen und Nebenhöhlenentzündung (im Nacken anbringen), Ischias, Rheuma, Hexenschuss

Rezept: Meerrettich-Tinktur
Eine halbe Stange Meerrettich reiben und mit 70%igem Alkohol übergießen. Nach 2 Stunden durch ein feines Baumwolltuch abpressen und die Tinktur zu gleichen Teilen mit Wasser vermengen. Diese Flüssigkeit kann mehrmals täglich für Umschläge verwendet werden.
Auch zum Säubern und Desinfizieren schlecht heilender Wunden

Senf – Heilmittel aus alten Zeiten

Senf war den Griechen bereits 400 v. Chr., bekannt, allerdings benutzten sie ihn als Heilmittel und nicht als Gewürz. Erst im 1. Jahrhundert nach Christus wurde Senf von den Römern auch als Würzmittel verwendet – unter anderem um Speisen haltbar zu machen. Karl der Grosse ordnete im Jahr 795 n. Chr. den Senfanbau in Deutschland sogar offiziell an. Senf galt als "Würze der Armen" und blieb bis zur Einfuhr neuer Gewürze aus Asien das wichtigste Würzmittel. Außerdem schätzte die mittelalterliche Apotheke Senf als Heilmittel für die Verdauungsorgane. Wer auf Senfkörner beisst, wird feststellen: sie schmecken zuerst mild und nussartig und entwickeln erst im Nachhinein die typische Senfschärfe. Das hat folgenden Grund: das für den typischen Senfgeschmack verantwortliche Senföl entsteht erst, wenn die im Senfkorn enthaltenen Stoffe mit Wasser in Berührung kommen. Dann spaltet sich mit Hilfe eines Enzyms das im Senfkorn befindliche Sinigrin in Traubenzucker und Senföl.

Rezept: Senfmehlfußbad
Zwei bis drei Esslöffel schwarzes Senfmehl in einen Eimer geben und 35° - 40° C warmes Wasser einlaufen lassen und rühren.
Die Füße und Waden in das warme Senfmehlfußbad eintauchen, den Oberkörper und die Beine bis zu den Knien mit einer Decke leicht abdecken.
Schon nach kurzer Zeit, kann ein starkes Brennen einsetzen, nach 3 – 4 Minuten wird eine intensive Wärme spürbar. Eine gute Beobachtung der Hautreaktion ist wichtig, ggf. während der Anwendung dabei bleiben, z.B. bei Kindern oder Menschen mit eingeschränkter Wahrnehmung.
Anwendungsdauer und – häufigkeit:
Die Dauer des Fußbades kann 5 – 20 Minuten betragen, sollte sich aber nach dem persönlichen Empfinden der behandelten Person richten. Es wird 1 x am Tag durchgeführt, höchstens 5 Tage hintereinander und dann 2 Tage pausiert.
Nachbereitung:
Die Füße mit körperwarmem Wasser abduschen, so dass keine Senfmehlreste die Haut reizen können. Nach dem Abspülen sollte das Brennen nachlassen und ein intensives Wärmegefühl bleiben. Bevor die nächste Anwendung erfolgt, sollte die Hautrötung abgeklungen sein.
Nachruhe:
Nach der Anwendung Strümpfe anziehen und ggf. noch 10 – 20 Minuten nachruhen.
Senfmehlfußbäder haben eine ableitende Wirkung, durch reflektorische Wirkung kommt es zu einer Veränderung der vegetativen Reaktionslage. Ein Senfmehlfußbad bewirkt eine vermehrte Stoffwechselaktivität in den Füßen und kann dadurch zu einer Entlastung von angestauten Stoffwechselprozessen z.B. im Kopf führen.
Zur Kreislaufanregung, bei beginnender Erkältung, Nebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen, beginnender Migräne ...
  

 
Interessanter Link zum Thema Senföle: "Pflanzliche Antibiotika"

 

 

Sendung am: 
25. März 2010
In der Sendung: 
Kaffee oder Tee